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Wie der Vorstand der Landsmannschaft Schlesien sich der eigenen Jugend entledigt

Liebe Landsleute, Freunde und Förderer,

ereignisreiche Wochen und Monate liegen hinter uns. Entnervt durch eine andauernde Kampagne linker Gruppierungen, an der sich zuletzt auch „etablierte“ Medien beteiligt haben, hat sich die Landsmannschaft Schlesien in einer Kurzschlußreaktion von ihrer eigenen Jugendorganisation getrennt. Wie konnte das geschehen?

Jugendarbeit als Ausweg aus der Identitätskrise

Zunächst ein paar Informationen zur Chronologie der Ereignisse: Eine erste atmosphärische Störung hatte sich bereits auf der Delegiertenversammlung der Schlesischen Landsmannschaft am 22. Mai 2010 in Görlitz angezeigt, wo wir mit einer Abordnung vertreten waren. Mein Vortrag dort, der sich stichpunktartig mit den Zielen unserer Organisation befaßte, thematisierte die Orientierungslosigkeit der deutschen Jugend unserer Zeit und ihre Ursachen: unkritischer Medienkonsum, Markenfetischismus und materielles Konsumverhalten als Ersatz-Sinn und Lebensinhalt, dazu degenerierte Ernährungsgewohnheiten wie Fast-Food, das Tragen wilder Frisuren, von Tätowierungen oder sogenannter Piercings zur äußerlichen Kompensation von Persönlichkeitsmängeln – all das sind Symptome einer gemeinschaftlichen Identitätskrise von Menschen, die in den multikulturellen, globalisierten Gesellschaften den Kontakt zu ihren Traditionen verloren haben. Hier liege, so mein Vorschlag, die zentrale Aufgabe einer kulturell ausgerichteten Jugendorganisation wie der SJ: Die Vermittlung von landsmannschaftlich gewachsenen deutschen, also eigenen, kulturellen Traditionen an eine orientierungslose Generation junger Menschen.

„Man darf nicht sagen, was man denkt“

Ich war mit meinem Vortrag kaum fertig, als ein Zuhörer aufstand und erklärte, von diesen Äußerungen müsse er sich klar distanzieren. Und wenn nur ein Wort davon an die Öffentlichkeit dringe, sei seine politische Karriere beendet. Es handelte sich um den niedersächsischen CDU-Landtagsabge-ordneten Götz, zu dessen Aufgabenspektrum offensichtlich die Durchsetzung der Generallinie seiner Partei in Vertriebenenfragen gehörte.

Die Angehörigen unserer kleinen Gruppe sahen sich ratlos an und fragten sich, was genau Herr Götz an meinem Vortrag so anstößig fand. Die anschließende Diskussion ergab keine befriedigende Antwort. Der Tonfall und die Wortwahl hätten an „alte Zeiten“ erinnert, so hieß es. Es zeigte sich dabei allerdings, daß die Mehrheit der Anwesenden persönlich keine Vorbehalte gegen uns hatte und daß die empörte Wortmeldung des CDU-Mannes eine Minderheitenposition war. Man sorgte sich lediglich um eine mögliche „öffentliche“ Reaktion und riet uns, zurückhaltender zu reden. Das, was wir ausgesprochen hätten, so sagten mir nachher mehrere Delegierte im persönlichen Gespräch, sei im Prinzip richtig – man dürfe das aber nicht so sagen, nur denken. Ein anderer meinte, man müsse „schlau sein, wie eine Schlange“, man dürfe sich nicht angreifbar machen. Solche Äußerungen machen m.E. deutlich, mit welcher taktischen Ausrichtung die Vertriebenenorganisationen in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgetreten sind. Große Erfolge hat man dabei nicht erzielt, im Gegenteil. Eine Meinung, die nicht geäußert wird, kann auch nicht zur Geltung gebracht werden.

Im weiteren Verlauf der Sitzung ergriff der Präsident der Bundesdelegiertenversammlung, Professor Michael Pietsch, auch er CDU–Mitglied, das Wort und brachte einen Antrag zur Entschließung ein. Inhaltlich ging es darum, eine Handhabe zum Ausschluß „extremistischer Personen“ aus der Landsmannschaft zu schaffen. Als der Antrag im Anschluß an eine Diskussion abgelehnt wurde, reagierte Pietsch sehr emotional und drohte, das werde noch Folgen haben und müsse im Vorstand besprochen werden.

Für uns war der Eklat, die unmotivierte Empörung über unser Auftreten damals unverständlich; mein Vortrag hatte keine direkt politische Ausrichtung, vielmehr ging es um kulturelle Fragen – im nachhinein allerdings, aus heutiger Sicht, liegt der Verdacht nahe, daß es sich um eine bereits im voraus geplante Inszenierung handelte mit dem Ziel, Verband und Jugend der Schlesier einander zu entfremden. Es war nur die erste Irritation im gegenseitigen Verhältnis und doch zugleich Vorzeichen einer Entwicklung, die bis heute andauert und schließlich – vorläufig – zur Trennung geführt hat.

Jugendherberge kündigt ohne rechtliche Grundlage

Auch bei unserer Volkstanzveranstaltung im Herbst leuchteten Vorzeichen einer Entwicklung auf, die wir heute als Kampagne mit dem Ziel verstehen, Landsmannschaft und Jugend gegeneinander auszuspielen. Eine Abgeordnete der Linkspartei, Martina Renner, hatte „antifaschistische“ Gruppierungen gegen unseren Erntetanz – eine offensichtlich völlig unpolitische Veranstaltung - mobilisiert, die Regionalpresse nahm die Berichterstattung auf. Der Trägerverein der Jugendherberge in Kleinschmalkalden, in der wir uns seit Jahren zusammenfanden, wähnte sich unter Rechtfertigungsdruck. Aus Rücksicht auf diesen öffentlichen Träger beschlossen wir, kurzfristig auf einen anderen Veranstaltungsort auszuweichen. Die Gegenseite interpretierte das als Erfolg ihrer Aktionen und setzte nach. Sie forderte die Jugendherbergsleitung auf, die Zusammenarbeit mit uns endgültig und unwiderruflich abzubrechen. So geschah es: Kurze Zeit später wurde der bestehende Vertrag über sämtliche angemeldeten Veranstaltungen für das Jahr 2011 schriftlich gekündigt. Eine rechtliche Grundlage für diese Kündigung, die - aus der juristischen in die reale Welt übertragen - in etwa den Charakter eines Wortbruchs hat, gab es nicht. Über das Amtsgericht Meiningen versuchen wir nun unsere Rechtspositionen durchzusetzen.

Keine „rechtsextreme Übernahme“ der Schlesischen Jugend

Vor ein paar Wochen gewann die Entwicklung erneut an Fahrt und wechselte dabei die Richtung: „Antifaschis-tische“ Netzseiten berichteten von einem inzwischen wohl abgeschalteten „rechtsextremen“ Internetforum, in dem Diskussionsteilnehmer die „Übernah-me“ der Schlesischen Jugend geplant hätten. Auch wurde dort über eine sogenannte „Ostfahrt“ gesprochen, die nach Auschwitz geführt haben soll. Bei der Gelegenheit soll eine Israel-Fahne verbrannt worden sein. Wer da diskutiert hat, ist unbekannt. Diese Darstellung wurde von etablierten Medien aufgegriffen und verbreitet, z.B. von der Seite tagesschau.de.

Aus unserer Sicht läßt sich aber in aller Deutlichkeit sagen, daß die gegen die Schlesische Jugend erhobenen Vorwürfe unzutreffend sind. Zwar veranstalten wir Schlesienreisen, der Begriff „Ostfahrt“ findet dabei aber keine Verwendung; und nachweislich hat keine unserer Reisen jemals in Auschwitz Station gemacht. Es hat auch keine „rechtsextreme Übernahme“ unserer Organisation gegeben, wir sind vielmehr eine organisch gewachsene Gemeinschaft mit demokratisch gewählten Mandatsträgern. Wer uns nach außen vertritt, hat sich zuvor jahrelang bewährt. Das genannte Netzforum ist mir unbekannt. Die zitierten Passagen sind aber insgesamt so drastisch überzogen formuliert, daß eine Authentizität sehr unwahrscheinlich ist.

Man erkennt ohne weiteres, daß die Vorwürfe wenig Substanz haben. Wir haben mit einer Gegendarstellung reagiert, die auch auf unserer Netzpräsenz zu finden ist und außerdem der ARD eine Unterlassungserklärung zugesandt. Da der zuständige Sender (NDR) zu einer Richtigstellung nicht bereit ist, wird geprüft, gegen diesen rechtliche Schritte einzulegen. Allerdings ist bei der medialen und finanziellen Überlegenheit des NDR kaum ein Erfolg zu erwarten.

Führung der Landsmannschaft knickt rückgratlos ein

Die Kampagne ließ sich damit aber nicht mehr aufhalten. Volker Beck, ein Abgeordneter der Partei Die Grünen, der sich im Jahre 1988 mit der Forderung nach Entkriminalisierung der Pädophilie einen Namen gemacht hatte, attackierte die Präsidentin des BdV Erika Steinbach und regte die „Beobachtung“ der Landsmannschaft Schlesien und der Schlesischen Jugend durch den Verfassungsschutz an. Innenminister Friedrich (CSU) forderte die Landsmannschaft zur Stellungnahme auf und drohte mit der Streichung von Fördermitteln. Das Land Niedersachsen kündigte an, die Fördergelder für das kommende Schlesiertreffen in Hannover in Höhe von 50.000 € in Frage zu stellen, wenn man sich nicht von der SJ trennt. Der Verband gab sofort nach. Das Präsidium traf sich zu einer Sondersitzung, anschließend informierte derselbe Michael Pietsch, der noch bei der vorletzten Delegiertenversammlung mit seinem „Extremismus“-Antrag gescheitert war, die Presse über die Suspendierung der eigenen Jugendbewegung. Rücksprache mit uns wurde nicht mehr gehalten.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Rudi Pawelka, den im Jahre 2010 bei der Delegiertenversammlung gescheiterten „Extremismus“-Antrag am 03. April 2011 noch einmal persönlich stellte und dieser dann beim zweiten Anlauf beschlossen wurde. Drei Tage zuvor, am 31. März 2011, trafen Frau Steinbach und das Präsidium des Bundes der Vertriebenen mit Bundeskanzlerin Frau Merkel im Bundeskanzleramt zusammen. Und nur zwei Tage später, am 05. April 2011, begann eine großangelegte Medienkampagne gegen die Schlesische Jugend, in deren Rahmen Frau Steinbach umgehend im Deutschlandradio Stellung gegen die Schlesische Jugend bezog, ohne auch nur einmal über die Vorwürfe Rücksprache mit dieser gehalten zu haben. Hier stellt sich die Frage: Kann dies alles Zufall sein, oder bestehen hier direkte Zusammenhänge?

Schon im Jahr 2000 kam es zum Zerwürfnis zwischen der Landsmannschaft Ostpreußen und ihrer JLO, der antiamerikanische Tendenzen und Kontakte zur NPD vorgeworfen worden waren. Keine Handlung hätte das Scheitern der Vertriebenenverbände in ihren zentralen Anliegen besser dokumentieren können, als die Distanzierung von der eigenen Jugend, die eine Tragödie ersten Ranges darstellt.

Ausschluß der Jugend bedeutet Auslöschung unseres Erbes

Zwar ist in der Vergangenheit die Integration der ostdeutschen Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft gelungen – alle anderen Ziele aber wurden verfehlt. Das Unrecht der Vertreibung ist kein öffentliches Thema mehr, an ein Rückkehrrecht oder an die Rückgabe geraubter Güter ist nicht zu denken. Nun gibt man auch noch die Traditionspflege auf – denn beim derzeitigen Durchschnittsalter der Verbandsmitglieder ruht die Hoffnung für das Überleben ostdeutscher bzw. schlesischer Traditionen allein auf kommenden Generationen. Für wen will man bei der Schlesischen Landsmannschaft Kultur und Tradition bewahren?

Auf den ersten Blick ist die nun getroffene Entscheidung gegen uns also kaum nachvollziehbar, tatsächlich ist sie in der Logik der Funktionäre folgerichtig. Zwei Geburtsfehler sind den Vertriebenenverbänden in die Wiege gelegt: Die enge Verflechtung mit den großen Parteien und die Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen. Schon Anfang der 70er Jahre hat sich gezeigt, daß die Parteien gar kein Interesse an der Durchsetzung der Vertriebenenrechte haben, und immer wieder seitdem hat die Drohung, Fördermittel zu streichen, die Verbände dazu bewegt, legitime Anliegen aufzugeben. Nach demselben Muster laufen auch heute noch die Entscheidungsprozesse ab, wenn CDU-Delegierte intern die Forderung nach Abgrenzung zur Jugend stellen und gleichzeitig Innenminister Hans-Peter Friedrich von außen droht, die Zahlungen zu kürzen. Für die heute noch lebenden Schlesier liegt in der Existenz einer Jugendorganisation Hoffnung – für die Parteien, denen unsere Anliegen grundsätzlich fremd sind, die sich von Anfang an nur zum Schein und mit wahltaktischem Kalkül darauf eingelassen haben, ja die letztlich auf eine biologische Lösung der lästigen Vertriebenenfrage setzen (so mein persönlicher Eindruck), scheint sie dagegen ein fundamentales Problem darzustellen.

Viel Zuspruch für unermüdliche Jugendarbeit

Was bedeutet nun die Entscheidung des Präsidiums der Landsmannschaft für uns? Zunächst einmal gilt es, das Votum der Delegiertenversammlung abzuwarten, die in dieser Sache das letzte Wort hat. Die bürokratische Entscheidung einer finanziell abhängigen Funktionärselite ist eine Sache, der gemeinschaftliche Wille unserer Landsmannschaft eine andere. Wir fordern dazu auf, das Gespräch mit uns zu suchen, um eventuell bestehende Mißverständnisse auszuräumen. Aber unabhängig von dieser Entscheidung können wir gelassen in die Zukunft blicken. Wir sind eine gut organisierte Vereinigung junger Menschen mit steigender Mitgliederzahl. Anders als die traditionellen Verbände sind wir weder von Parteien noch von der Verteilung staatlicher Zuschüsse abhängig, das heißt: Wir können unsere Aufgaben und Ziele frei wählen. Bei der Umsetzung ist die Rücksichtnahme auf Parteiinteressen nicht erforderlich. Wir finanzieren uns über die Beiträge unserer Mitglieder und sind nicht mit der „Streichung von Fördergeldern“ erpreßbar. Zusätzlich erweitert die Unterstützung durch Spender, bei denen ich mich an dieser Stelle bedanken möchte, unseren finanziellen Handlungsspielraum. Unsere Ziele sind grundsätzlich kultureller, nicht politischer, Natur. Es geht uns darum, das kulturelle Erbe der vertriebenen Schlesier zu bewahren, das sich in Traditionen, Bräuchen oder Wertevorstellungen, in Literatur, Architektur, Landeskunde, auch in der Mundart oder in Kochrezepten u.v.m. manifestiert; dazu gehört aber auch die Erinnerung an das Verbrechen der Vertreibung aus unserer angestammten Heimat. Wir veranstalten Lesungen, Vorträge, Bildvorträge, Wanderungen und Fahrten in die alte Heimat. Wir lernen und singen Lieder, organisieren Volkstänze oder Sport- und Spielereignisse mit den Kindern. Wir leben und vermitteln schlesisch-ostdeutsche Identität und liefern damit einer ganzen Generation orientierungsloser junger Menschen das Angebot einer alternativen Lebensgestaltung. Angesprochen sind prinzipiell alle Deutschen, mit oder ohne Vertreibungshintergrund. Es liegt darin auch die Hoffnung auf die Entwicklung einer neuen deutschen Gemeinschaftlichkeit aus der Erkenntnis, daß der kosmopolitische Durchschnittsmensch unserer Zeit ein unerfülltes und letztlich unfrohes Leben führt.

Der Zuspruch unserer Förderer im Anschluß an die Suspendierung durch das Präsidium der Landsmannschaft gibt uns Anlaß zu vorsichtigem Optimismus. Es wird durchaus gesehen, daß wir die Zukunft unserer Heimat repräsentieren – die Landsmannschaft dagegen repräsentiert, mehr denn je, das Scheitern eigener Ansprüche in Gegenwart und Vergangenheit.

Über den weiteren Verlauf der Ereignisse werden wir Sie selbstverständlich auf unserer Netzseite und in unserem Infoblatt „Junges Schlesien“, das vierteljährlich erscheint, informieren.

Ihr Fabian Rimbach
Bundesvorsitzender

Aktualisiert (Dienstag, den 07. Juni 2011 um 21:24 Uhr)